
DISKUSSION KAPITEL 4
• Der Regulation der Expression alternativer Loci, wie sie die überlangen ORFs dar-
stellen, kann durch verschiedene Mechanismen bewerkstelligt werden, die unter
dem Begriff Phasenvariation zusammengefaßt werden. Daran können reversible
Methylierungen von Promotorbereichen durch ein Typ III Restriktions-
Modifikations-System beteiligt sein (Srikhanta
et al., 2005), das außer in
Msp. stadtmanae in keinem anderen Archaeon nachgewiesen wurde (siehe
3.II.5.2.3). In
Neisseria gonorrhoeae werden antigenische Variationen von Pilus-
strukturen durch intragenomische Rekombinationen erzeugt, in denen homologe,
aber nicht identische Sequenzen durch nicht-reziproke Gen-Konversion ausge-
tauscht werden (Hagblom
et al., 1985; Koomey et al., 1987).
• Die potentielle N-terminale Leader-Sequenz und anschließende Transmembranregi-
on zeigen Übereinstimmungen mit Charakteristika der Sec-vermittelten Protein-
translokation über die Cytoplasmamembran (Pohlschröder
et al., 2004). Demnach
besitzen Signalsequenzen der Klasse I eine N-terminale, positiv geladene, ein bis
fünf Aminosäuren lange, nicht konservierte Signalsequenz, gefolgt von einer hydro-
phoben Domäne aus mindestens sechs Aminosäuren, gefolgt von einer ungeladenen
polaren Domäne aus drei bis sieben Aminosäuren (von Heijne, 1990). Die positiven
Ladungen der N-terminalen Leader-Sequenz interagieren wahrscheinlich mit nega-
tiv geladenen Phospholipiden an der cytoplasmatischen Seite der Membran und
vermitteln auf diese Weise die Orientierung des Peptids während der Translokation
(Lee & Bernstein, 2001). Die polare ungeladene dritte Domäne, zu der keine Ent-
sprechung in den überlangen Proteinen aus
Msp. stadtmanae existiert, wird von ei-
ner Signalpeptidase des Typs I erkannt und geschnitten (Albers & Driessen, 2002).
Möglicherweise werden die überlangen Proteine über einen Sec-ähnlichen Mecha-
nismus über die Cytoplasmamembran transportiert, bleiben jedoch über einen poten-
tiellen N-terminalen Transmembran-Anker, der nach der Translokation nicht a/jointfilesconvert/333809/bge-
schnitten wird, an die Membran assoziiert.
• Die Domänenstruktur der überlangen Proteine, in der kurze Sequenzmotive im Ab-
stand von ca. 100 Aminosäuren wiederholt werden, ermöglicht einerseits die Gene-
rierung zusätzlicher Variabilität durch Veränderungen in der Anzahl von Wiederho-
lungen und kann andererseits Zielsequenzen bereitstellen für posttranslationale Pro-
zessierungen.
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