
DISKUSSION KAPITEL 4
fektionsprozesses zugeschrieben: Haftung an spezifische Gewebetypen während der
Besiedelung und dauerhafte Überwindung von Abwehrmechanismen des Wirtes
(Lerouge & Vanderleyden, 2002). Da sich
Msp. stadtmanae durch die Existenz von rfb-
analogen Genen von allen anderen bisher sequenzierten Archaeen unterscheidet, könnte
diesen Genen eine ähnlich Funktion bei der Etablierung eines kommensalen Verhältnis-
ses im menschlichen Darm zufallen.
In diesem Zusammenhang könnte eine in
Msp. stadtmanae identifizierte CDS eine
Rolle spielen, die in Gram-negativen Bakterien für ein Enzym kodiert, das die Übertra-
gung von Phosphoryl-Cholin (ChoP) auf die LPS katalysiert (siehe 3.II.5.2.1). In vielen
vorwiegend pathogenen, Gram-positiven und Gram-negativen Bakterien kann ChoP in
der Zellwand nachgewiesen werden (Mosser & Tomasz, 1970; Gillespie
et al., 1996;
Weiser
et al., 1998a). ChoP-Resten werden in der Pathogenese Funktionen für die Haf-
tung und Invasion von Endothel- und Epithel-Zellen durch Wechselwirkungen mit dem
Rezeptor des
platelet activating factors zugeschrieben (Cundell et al., 1995; Ring et al.,
1998). Da ChoP-Epitope allerdings auch Sensitivität gegenüber der serumvermittelten
Zelltötung durch das menschliche Immunsystem vermitteln können (Weiser
et al.,
1998b), werden Mechanismen der Phasenvariation diskutiert, mit deren Hilfe die Über-
tragung von ChoP in unterschiedlichen Stadien der Besiedelung reversibel deaktiviert
werden kann (Serino & Virji, 2002). Innerhalb der Gattung
Neisseria wurden verschie-
dene pathogene und kommensale Stämme charakterisiert, die sich in der Lokalisation
von ChoP-Epitopen an unterschiedlichen Strukturen Zellwand unterscheiden (Serino &
Virji, 2000). Während ChoP in kommensalen Stämmen durch die Cholin-
Phosphotransferase auf LPS übertragen wird und sich ausschließlich dort nachweisen
läßt, wird es in pathogenen
Neisseria-Stämmen durch andere enzymatische Systeme ü-
bertragen und läßt sich in diesem Fall nur an exponierten Pilusstrukturen nachweisen.
Obwohl in
Msp. stadtmanae mit Ausnahme der Cholin-Phosphotransferase keine weite-
ren der in
H. influenzae für Aufnahme, Synthese und Übertragung von ChoP charakteri-
sierten Enzyme nachgewiesen wurden (Weiser
et al., 1997), könnte ChoP-Resten eine
Funktion bei der Adhesion von
Msp. stadtmanae an spezifische Darm-Epithelzellen im
menschlichen Enddarm zukommen.
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